Die Nase voll vom Kranksein

Liebe Blog Leser!

Im wahrsten Sinne des Wortes habe ich endgültig die Nase voll vom Kranksein, denn schon seit sieben Wochen bin ich krank! Es fing mit Halsschmerzen an, dann kam Reizhusten dazu, Schnupfen und dann blieb sie umeingeladen da, die lästige Nebenhöhlenentzündung. Vor einer Woche habe ich mir Antibiotikum verschreiben lassen und seit dem geht es mir deutlich besser. Zwar bin ich immer noch nicht ganz gesund und voll belastbar, aber bin auch nicht mehr so erschöpft, dass ich den ganzen Tag im Bett liegen muss. Grade wo ich mich selbst wieder menschlicher fühle, ist jetzt auch Daniel krank mit einer Halsentzündung und nun nimmt er fleißig sein Antibiotikum.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in Deutschland nicht sechs Wochen gewartet hätte, bis ich zum Arzt gegangen wäre, sondern deutlich früher, aber die ersten Wochen dachte ich wirklich, dass es sich von alleine mit viel Tee und Bettruhe regeln lassen würde und wir uns die Arztkosten sparen können.

Bettruhe ist schwieriger als man denkt

Ich habe es versucht mit der Bettruhe, aber ich stelle immer wieder fest, wie schwer mir das fällt. Klar, finde ich es toll auszuschlafen und auch mal ein paar Stunden im Bett zu liegen und ein Buch zu lesen, aber früher oder später schreit die Arbeit nach mir. Dieses stille, aber doch durchaus laute, anklagende Rufen meines Schreibtischs mit noch zu erledigenden Aufträgen. Wenn dieser Schreibtisch irgendwie in Manhattan stehen würde, wo ich ihn weder sehen noch hören könnte, dann wäre es wahrscheinlich einfacher für mich. Mein Tisch ist jedoch nur quer über den Flur. Und sobald ich mich etwas fitter fühle und nicht von Hustenanfällen gebeutelt nähere ich mich diesem Tisch an, setzte mich dort hin und vergesse die Zeit und jegliches Gefühl für meinen Körper und was dieser braucht. Warnzeichen, wie Erschöpfung, Kopfschmerzen, Hunger, Konzentrationsschwäche fallen mir überhaupt nicht auf, denn ich bin in den Fängen des Peitschentreibers, der mir zuruft "noch diese Email beantworten", "noch diesen Anruf tätigen", "noch dieses Projekt recherchieren". Und dieser Sadist hört einfach nicht auf! Irgendwann, wenn der Husten mich so durchschüttelt, dass ich glaube meine Lunge kommt gleich mit raus und mein Kopf dröhnt wie nach einem Paukenschlag, dann realisiere ich erst, dass wohl eine Pause dran wäre. Und das tue ich dann auch. Aber eben nur so lange wie ich es aushalte bzw. so lange bis ich mit wieder einigermaßen fühle und dann geht's weiter.

Wie komme ich raus aus diesem Teufelskreis?

Für mich persönlich ist das sehr schwer. Zum einen arbeite ich gerne und außerdem fällt es mir schwer nichts zu tun. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, dass ich nur gut bin, wenn ich auch etwas leiste. Wenn ich keine Leistung bringe, dann bin ich auch nicht wertvoll und eine Enttäuschung. Wenn ich krank im Bett liege hat das nicht nur Auswirkungen auf mein Unternehmen (weniger Aufträge, das heißt weniger Einkommen), sondern auch auf Daniel. Er muss dann mehr im Haushalt machen und das ist ein halber Weltuntergang für mich. Mein Hirn funktioniert nämlich so: "Wenn ich schon nicht so viel Geld verdiene, wie Daniel, dann will ich ihm wenigsten so viel abnehmen wie möglich, dass es sich wieder ausgleicht." Und wenn ich krank bin gleicht sich gar nichts aus. Daniel trägt mehr zu unserem Leben bei, als ich und die Rechnung geht in meinem Kopf nicht auf. Mein Ideal ist fünfzig-fünfzig oder vielleicht auch mal sechzig-vierzig, aber ganz sicher nicht hundert-null. Denn diese Null bedeutet für mich, dass ich mich auch fühle, als wäre ich eine Null.

Dabei weiß ich in meinem Kopf, dass weder Gott, noch Daniel so denken. Mein Wert hängt nicht mit meiner Leistung zusammen. Doch wenn ich ehrlich zu mir bin, dann allerdings schon. Ich möchte stolz auf mich sein und das kann ich irgendwie nur sein, wenn ich auch etwas schaffe. Mein Hirn umzupolen scheint unmöglich. Aber das ist wohl die einzige Möglichkeit aus diesem Teufelskreis rauszukommen. Denn nur wenn ich die schreckliche Spannung, dass mein Wert nicht an meine Leistung gebunden ist aushalte und für mehrere Tage im Bett liege, dann werde ich wieder gesund.

Die Stadt, die niemals schläft

Das widerspricht natürlich ganz gewaltig der Kultur in der ich grade lebe! Für jede Krankheit bietet die Apotheke das perfekte “Heilmittel”. Anstatt sich auszukurieren, wird ein Mittelchen genommen, dass einen wieder funktionieren lässt. Und das widerspricht total dem gesunden Menschenverstand, aber es in dieser Kultur - und besonders in New York City - wohl auch kaum anders zu leben. Daniel hat drei Krankheitstage im Jahr und wenn er die aufgebraucht hat, dann wird sein Gehalt reduziert. Weil die Lebenshaltungskosten hier wesentlich teurer sind, als ich anderen amerikanischen Städten, hat man irgendwie keine andere Option. Um zu überleben muss man weiterschuften, egal wie es einem geht.

Reality Check

Ich arbeite als Selbstständige und wir kommen von Daniels Gehalt über die Runden. Das bedeutet, dass ich mich dem Druck entziehen kann. Das Blöde ist ja nur, dass der Druck mir von meiner Sozialisierung quasi eingeimpft wurde. Egal! Ich will gesund sein! Nicht nur körperlich, sondern auch, dass dieses kranke Denken, dass ich nur wertvoll bin, wenn ich viel leiste, aus meinen System geht. Und ich weiß, dass mein krankes Denken viel länger brauchen wird zu heilen, als nur sieben Wochen. Das Ganze ist ein anhaltender Prozess.

Warum raus aus dem Teufelskreis?

Natürlich könnte ich so weiterleben, aber dann denke ich daran, dass Daniel und ich eine Familie gründen wollen und dass ich auf keinen Fall unseren Kindern dieses ungesunde Muster weitergeben möchte. Die Vorstellung, dass sie in ihr Leben den Satz mitnehmen, dass ich sie nur liebe, wenn sie etwas Bestimmtes leisten, macht mich sehr traurig. Deshalb darf und will ich das nicht weiter nach hinten verschieben, sondern mich verändern.

Aber wie?

Genauso wenig, wie man sich am eigenen Kopf aus dem Treibsand ziehen kann, kann ich es alleine schaffen, dass mein Selbstwert eine 180° Wendung nimmt. Diese Antreiberstimmen sind einfach viel zu laut und stark in mir. Ich weiß allerdings genau was mir hilft. Es hilft mir den Tag zusammen mit Gott zu beginnen. Im praktischen Sinne heißt das für mich, dass ich bevor ich mich ans Tageswerk mache, aufs Sofa setzte und mein Gebetstagebuch herausnehme und einen Brief an Gott schreibe. Ich muss schreiben, denn wenn ich nur denkend mit Gott rede, dann verstricke ich mich sofort wieder in meine unendlichen To-Do-Listen und bin überhaupt nicht mehr bei Gott, sondern zurück im Teufelskreis meiner Arbeitsberge.

Ich schreibe meine Seele nieder

So sitze ich auf dem Sofa mit einer Tasse Tee und nehme mir diese Zeit. Manchmal sind es zehn Minuten und an anderen Tagen auch mal dreißig. Je nachdem wie sehr ich mich belastet fühle. Alle diese Sorgen und Ängste schreibe ich an Gott gerichtet in das Tagebuch. Ich versuche auch zu danken für Dinge, die sich gut entwickelt haben oder für dich ich einfach so froh bin. Wenn ich das morgens mache, dann verläuft mein Tag wirklich viel besser. Ich habe dann mehr inneren Frieden und fühle mich nicht so angetrieben. Aber ich muss es eben machen und das tue ich nicht immer und schade damit nur mir selbst. Heute habe ich es geschafft und ich bin so froh darüber! Ich bin auch so stolz auf mich, dass ich das Richtige für mich selbst getan habe und mich selbst höher wertgeachtet habe, als die Arbeitsberge. Für morgen nehme ich mir das auch wieder vor. Aber morgen ist morgen und heute ist heute. Ich möchte noch etwas länger im Heute bleiben.

Ich danke euch fürs Lesen und Mitfühlen und wünsche euch Frieden. Tiefen Frieden, der bleibt.

Seid gesegnet an diesem Tag und in der neuen Woche!
Eure Kati

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