Zu Besuch bei der deutschen Konsulin in New York

Hallo ihr Lieben!

Immer wieder höre ich von deutschen Freunden "Mensch, wie aufregend, dass du jetzt in New York wohnst!” In Wahrheit empfinde ich das selbst aber gar nicht so. Mein Alltag ist ziemlich unspektakulär.  Aber heute möchte ich euch die Kloppergeschichte schlechthin erzählen. Nämlich wie es dazu kam, dass ich die deutsche Konsulin in New York besucht habe. Denn diese Geschichte verdient nun wirklich den Satz "Mensch, wie aufregend, dass ich in New York lebe!”.

Kurze Vorgeschichte

Im Januar waren Daniel und ich zu Besuch in Deutschland. Genau in der Zeit als ich so schrecklich krank war. Wir waren in meiner Heimatstadt Bamberg zum 88. Geburtstag von meiner Oma. Weil wir von Berlin geflogen sind konnten wir noch einige Leute aus Berlin und Elstal sehen, aber längst nicht so viele wie wir uns gewünscht hätten. Daniel war für eine Woche in Deutschland (nur 20 Urlaubstage im Jahr und so…) und ich für zwei Wochen.

Mein Rückflug war für den Samstag geplant, als der Blizzard Chaos in New York anrichtete. Wegen diesem Schneechaos wurde mein Flug gecancelt und auf den Dienstag darauf verschoben.

Mein rechter, rechter Platz ist frei

Mein Sitznachbar war ein junger, hipper Mann namens Georg mit dem sich ein Gespräch entwickelte. Er war unterwegs nach New York City, zusammen mit seinem Arbeitskollegen Filippo, der auch irgendwo im Flugzeug saß. Die beiden flogen zwecks Arbeit nach NYC, nämlich um auf der Design- und Lifestylemesse New York NOW auszustellen. Georg erzählte mir, dass er für einen Berliner Handtaschendesigner namens Olbrish arbeitet und diese Handtaschen im “German Pavilion” ausgestellt werden sollten. Und erzählte natürlich auch von mir und dass ich als Künstlerin arbeite. Es war schön sich mit jemandem anderen aus der Kunst- und Designbranche zu unterhalten. Er erzählte dann weiter, dass er auf eine Party bei der deutschen Konsulin in New York eingeladen wäre und dass er ja mal schauen könnte, ob er mich auf die Gästeliste setzten könnte, weil ich ja auch Künstlerin bin.

Ja, so ging das los und ich in meinem Krankheitszustand fand das schön und dachte mir "Na mal schauen, ob das echt was wird." Ich hatte keine hohen Erwartungen, sondern fand es einfach nur nett und war offen für die ganze Sache.

Ich kam in New York an und wurde Gott sei Dank von einer Bekannten vom Flughafen abgeholt. Der Schnee war noch in Massen vertreten, aber die Straßen waren frei geräumt. Daniel hatte einen ganz schmalen Pfad vom Gartentor zur Wohnungstür geschaufelt und ich wackelte da durch, kam in die Wohnung und ließ alles stehen und liegen und ging direkt ins Bett. Daniel kam vielleicht eine Stunde später von der Arbeit nach Hause und ich konnte ihm nur im Delirium Hallo sagen und schlief dann weiter.

Eine Nachricht im Posteingang

Am nächsten Tag hatte ich abends eine Nachricht von Georg, dass er mich auf die Gästeliste gesetzt hätte. Dazu schickte er noch die Uhrzeit und Adresse von dem Event, das fünf Tage später stattfinden sollte. Und ich wollte da umbedingt hin! Aber ich war ja in keinem menschlichen Zustand mehr. Mir ging es so dreckig und ich trank Tee wie verrückt und lag den ganzen Tag im Bett und es wurde nicht besser. Dann kam das Drama mit den Arztbesuchen - erst mit falscher Diagnose und dann war ich noch mal dort und bekam dann die Hilfe die ich brauchte und dann war auch schon Montag. Natürlich war ich noch längst nicht wieder 100% einsatzfähig, aber das hatte in dem Moment keine Priorität. Ich dachte mir, dass wenn ich jetzt schon mal etwas so etwas Aufregendes erleben kann, dann will ich mir diese Chance auch nicht entgehen lassen.

Zuhause bei Frau Konsulin

So habe ich mich in ein chices Outfit geschmissen, meine Visitenkarten und Muster geschnappt und bin am Montagabend mit dem Bus und zwei U-Bahnen eine gute Stunde nach Midtwon Manhattan gefahren, um mich dort mit Georg und den anderen deutschen Messeleuten zu treffen.

Auf der Suche nach dem richtigen Gebäude verlief ich mich noch, weil ich die ganze Zeit nach deutschen Flaggen Ausschau hielt. In meiner Vorstellung fand diese Feier im deutschen Konsulat statt. In der Art großer, steriler Raum mit Stehtischen und Buffet. Es gab aber keine deutschen Flaggen, die mir den Weg wiesen, weil die Party wirklich bei der deutschen Konsulin zu Hause stattfand. Also tatsächlich in ihrer Wohnung! Und ich würde dann auch fündig und kam genau zur gleichen Zeit durch die Drehtür des Wolkenkratzers, wie Georg und die anderen. In der Lobby stand eine Dame mit Klemmbrett und hakte unsere Namen auf einer Liste ab. Anschließend wurden wir zum Aufzug geleitet und fuhren in den 42. Stock. Nicht einfach, dass wir auf das Knöpfchen drückten oder so, sondern ein Angestellter betätigte den Knopf - ein Aufzugpage wie man das aus dem Fernsehen kennt. Im 42. Stock angekommen führte ein langer Gang zu einer normalen Wohnungstür. Davor gab es eine kleine Garderobe und ein Dienstmädchen (das schreibe ich so, weil die Dame echt so ein schwarzes Outfit mit weißer Schürze trug) nahm uns die Jacken ab und im Wohnungsflur stand ein Kellner mit einem Serviertablett mit unterschiedlichen Getränken.

Erst in diesem Moment realisierte ich, dass es sich hier überhaupt nicht um einen offiziellen Konsulatsempfang handelt, sondern ein Treffen in kleinem Rahmen in einer Wohnung! Und ich bekam ordentlich Muffensaußen. Aber mir blieb ja nichts anderes übrig, als es den anderen gleichzutun und in die Wohnung hineinzugehen und mich zwischen Rot-, Weißwein, Orangensaft oder Wasser zu entscheiden. Da ich mit Ibuprofen vollgepumpt war griff ich zum Wasser und trabte schüchtern den anderen hinterher.

Die Wohnung und Gäste

Vom Flur aus kam ich in einen größeren Raum, der schon mit ca. 15 Leuten gefüllt war. Dazu kamen später noch ein paar mehr, so dass es sich wohl um 25 auserwählte Menschen handelte - und mich. *lach* Die Außenwände waren keine Wände, sondern Fenster, die vom Boden zur Decke gingen und eine fantastische Sicht auf das bei Nacht erleuchtete New York präsentierten.

Ihr seht mich sogar in der Fensterscheibe. ;-)

Links stand ein Flügel und am Rand des Raums standen kleine Tische, die unterschiedliche Designstücke präsentierten - sozusagen einige der Ausstellungsstücke vom German Pavilion der NY NOW Messe. Von dem großen L-förmigen Raum, gingen links und rechts noch zwei mittelgroße Räume ab. Alles miteinander verbunden. Nur die Cateringküchen (es gabe zwei - vielleicht eine für Essen und eine für Getränke) waren separat. Die Wohnung war wirklich sehr groß für New Yorker Verhältnisse, kein bisschen die sonstig übliche Schuhkartongröße.

Die Menschen waren meist älter als ich. Ich habe viele auf Ende 40 und älter geschätzt. Die Männer waren meist im Anzug und die Frauen auch chic, aber auf keinen Fall in Abendgarderobe (da hätte ich mich sonst wohl auch einmal aus dem 42. Stock gestürzt vor Scham). Dazu liefen Kellner herum und boten Hors D'oeuvres an und wieder andere Kellner füllten die Gläser nach. Natürlich auch alle in einem perfekten schwarz-weißen Outfits so wie man das aus dem Fernsehen kennt. In meinem Kopf bin ich im drei Minuten Abstand ausgeflippt, weil das alles so ungewohnt für mich war.

Die Aussicht

Ich hielt mich anfangs an die kleine Gruppe mit der ich gekommen war, denn ich wahr wirklich sehr nervös. Zwischendrin probierte ich die kleinen perfekten Häppchen (jedes ein Kunstwerk für sich!) und langsam verarbeitete ich den Schock, dass das eine Wohnung war und kein offizielles Gebäude. Nach ein paar Minuten gewann ich wieder mehr Selbstvertrauen und lief zum anderen Ende der Wohnung und da war es, das Empire State Building perfekt zu sehen mit seiner Erleuchtung. So gut hatte ich es das letzte Mal von der Aussichtsplattform des Top of the Rock gesehen. Und jetzt stand ich bei der Konsulin in der Wohnung und machte Schnappschüsse mit dem Handy. Da das auch alle anderen taten, musste ich mir auch nicht blöd vorkommen. ;-)

Sorry, für die gespiegelten Personen. Für bessere Fotos hat es an dem Abend nicht mehr bei mir gereicht.

Es vergingen vielleicht 20 Minuten bis wir alle im großen Raum versammelt wurden und die Konsulin - Frau Brita Wagener - eine kleine Willkommensrede hielt. Der Anlass dieser Feier war New York NOW und die Messeaussteller des German Pavilion. Dazu waren noch einige andere Leuten geladen. Zum Beispiel von der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer und natürlich die Messe Verantwortlichen. Bestimmt auch noch spannende andere Leute, aber da ich nicht mit ihnen sprach weiß ich nicht wer noch alles da war. Nicht zu vergessen, war ich ja immer noch krank und je mehr ich redete, desto kratziger wurde mein Hals und desto schlimmer wurde mein Reizhusten. Deshalb musste ich meine Kraft sehr weise einteilen und konnte deshalb nicht mit allen reden.

Jetzt im Nachhinein könnte ich mich ja in den Hintern beißen, dass ich das Ganze nicht viel mehr genoßen habe. Wenn ich gesund gewesen wäre, dann hätte ich mit noch mehr unterschiedlichen Menschen geredet, als "nur" mit den Zehn mit denen ich länger gesprochen habe. Ich hätte auch ein Glas Wein getrunken und mehr Hors D'oeuvres probiert. Ich hätte Bilder von allem (auch vom Essen) gemacht und wäre ganz im Moment gewesen. Aber so steckte ich in meiner eigenen Haut, die krank war und dadurch zurückhaltender als im Normalfall. Aber ich will mich hier auch nicht fertig machen, denn ich habe mein Bestes gegeben und es war ein toller Abend! :-)

Eine Unterhaltung mit der Gastgeberin

Ich unterhielt mich bei einem der Ausstellungstischchen und die Frau Konsulin kam dazu und interessierte sich sehr für die Handtaschen von der Firma Olbrish (Georgs und Filippos Arbeitgeber). Ich fragte sie, ob sie mehr darüber wissen wolle und sie bejahte. So holte ich Georg und Filippo so dass sie alles erklären konnten. Nach den Handtaschen Infos wurde das Gespräch offener und ich konnte ein paar Fragen stellen. Ich erfuhr, dass sie wirklich in dieser Wohnung lebt. Doch diese großen Räume würde sie nur nutzen, wenn so viel Besuch da wäre wie grade. Wäre es Tag gewesen, dann hätten wir von der gegenüberliegenden Fensterfront den Blick auf den Central Park gehabt. Das muss einfach phänomenal schön sein!

Für euer Verständis: Dieser Gebäudekomplex liegt zwischen dem Central Park und dem Empire State Building und die Wohnung ist so geschnitten, dass man 180° Ausblick hat. Unglaublich toll! Aus Privatsphäre möchte ich jetzt nicht den Namen des Gebäudes nennen, aber für eure bessere Vorstellung empfehle ich euch meinen Beitrag übers Rockefeller Center anzuschauen, denn der Ausblick davon ist sehr ähnlich. Natürlich noch besser, weil nicht “nur” im 42. Stock, sondern im 70.

Beim Abschied bedankte ich mich bei der Konsulin und schenkte ihr zwei von meinen schönsten Karten. Hätte ich geahnt, dass wir bei dir zu Hause sind, dann hätte ich natürlich ein hübsches verpacktes Geschenk mitgebracht, aber so hatte ich nur meine Muster dabei. Wer weiß was mit diesen zwei heartfully done Karten passieren wird. Wer die jeweilige Karte bekommt wird sich hoffentlich freuen. :-)

Seefahrerkarte

Schmetterlingskarte

Grund zum Dank

So bin ich dankbar für Gottes ausgezeichneten Humor. Der aus meiner Frustration, dass mein Flug gecancelt wurde, gemacht hat, dass ich Georg kennengelernt habe (der auch wirklich am Dienstag geflogen wäre und nicht schon am Samstag). Und auch, dass Georg so unglaublich offen und liebenswürdig war. Solche Menschen sind wirklich rar und ich freue mich diesen Engel getroffen zu haben, der so viel Lebensfreude hat, dass er davon großzügig abgeben konnte.

Zum Schluss will ich euch noch von den zwei Künstlerinnen und der Olbrish Tasche erzählen:

Stefanie Kölbel aus dem Vogtland

Sie fertigt Schmuckstücke mit der Klöppeltechnik. In ihren zarten Schmuckstücken verwendet sie hauchdünne Edelstahldrähte und handgefärbte Polyamidfäden. Durch das gekonnte Zusammenspiel von Material und Technik entstehen filigrane Schätze, deren Wert sich nicht über das Material definieren lässt, sondern vielmehr über die Zeit, welche die Herstellung von Hand in Anspruch nimmt. (http://spitzenstuecke.de/)

© Spitzenstücke by Stefanie Kölbel

© Spitzenstücke by Stefanie Kölbel

© Spitzenstücke by Stefanie Kölbel

Mary-Ann Williams

Sie ist in Kapstadt geboren und lebt und arbeitet in Hamburg und Los Angeles.
Sie entwickelt Kunst für Wand, Boden, Handtaschen, Hüte und viele mehr mit einer Technik, die sie "Bierfilzkaromodular System aus Leder und Filz" nennt. Sie war durch und durch Künstlerin - interessant, schillernd und ein bisschen verrückt - im positiven Sinne. Ihr Sohn war auch mit dabei und mit ihm zu reden war so nett, weil es mir so viel leichter von der Hand ging. Da war ich dann echt in meinem Element - da kommt dann doch die Jugendpastorin durch. ;-) (http://www.illu-stration.com/)

© Illu Stration by Mary-Ann Williams

© Illu Stration by Mary-Ann Williams

Olbrish
Georg und Filippo arbeiten bei der Firma Olbrish in Berlin. (http://www.olbrish.de/)

© Olbrish Produkt GmbH

Diese interessanten Taschen konnte ich dort anschauen und anfassen. Dieses Blütenmuster ist mit gewebtem Rosshaar gemacht und auf der Webseite von Olbrish konnte ich lesen wie das gemacht wird. Total spannend! Hier der Link falls ihr auch mal schauen wollt: Klick.

© Olbrish Produkt GmbH

Die Taschen sind am Verschluss oben gebogen, so dass sie sich an die Hüfte anschmiegen. Echt ein cooles Design und nichts was ich vorher gesehen hatte.

© Olbrish Produkt GmbH

Falls ihr noch mehr stöbern wollt, ist hier der Link zu den Kollektionen: Klick.

© Olbrish Produkt GmbH

Ich hoffe es hat euch gefallen ein bisschen Teil zu haben an meinem neusten New York Abenteuer. Ich fand es sehr aufregend und bin aber mittlerweile wieder ganz ruhig und beschaulich in meinem Alltag angekommen. ;-)

Erzählt doch mal in den Kommentaren, ob euch auch schon mal so etwas in der Art passiert ist?

Ganz liebe Grüße, eure Kati

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