Mein Erfahrungsbericht beim Blog Goodbye Deutschland - Die Auswanderer für Fans

Liebe Blog-Leser!

Vom Goodbye Deutschland - Die Auswanderer für Fans Blog wurde ich gebeten einen Erfahrungsbericht über unsere Auswanderung in die USA zu schreiben. 

Ich erzähle in diesem Bericht nicht über bestimmte Erlebnisse aus unserem Leben von grade jetzt, sondern über Daniels und meine Vorgeschichte, warum es uns gerade in die USA verschlagen hat, die Highlights und Herausforderungen des Lebens im Ausland und ob wir auf lange Sicht hier bleiben wollen. Außerdem gebe ich einige meiner persönlichen Tipps und Tricks weiter in Sachen Auswanderung.

Weiter unten seht ihr den ganzen Bericht.

Euch allen einen ganz lieben Gruß!

Ich bin leider grade krank und schütte literweise Tee in mich und hüte die meiste Zeit das Bett (außer jetzt grade nicht oder wenn ich den Tee wieder loswerden muss - hehe ;-).

Alles Liebe, eure Kati

Ein Biss in den Big Apple (Erfahrungsbericht USA - New York City)

Hallo liebe Goodbye Deutschland - Die Auswanderer Fans!

Mein Name ist Katharina Walter Carrapa (33). Mein Mann Daniel (29) und ich sind im September 2014 nach New York City (USA) ausgewandert.

AirBerlinNYC.jpg

Unsere Vorgeschichte
Gebürtig komme ich aus Bamberg in Oberfranken, habe aber die letzten Jahre hauptsächlich wegen meines Studiums in der Nähe von Berlin gelebt. Daniel kommt aus Porto (Portugal) und wir haben uns im Frühjahr 2011 über eine amerikanische Datingseite im Internet kennengelernt. Erst hatten wir eine Fernbeziehung zwischen Porto und Berlin und nach einigen Monaten fand Daniel eine Stelle bei einer großen internationalen Firma in Berlin und kam nach Deutschland. Im Herbst 2012 haben wir geheiratet. Daniel ist Ingenieur und arbeitet jetzt als Risc Analyst bei der selbigen Firma aus Berlin - nur halt nicht mehr bei der U-Bahnhaltestelle “Zoologischer Garten”, sondern an der “Wall Street”. Ich bin staatlich anerkannte Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch und Spanisch und habe später noch mal ganz was anderes gemacht und evangelische Theologie studiert mit dem Plan in einer Kirchengemeinde als Pastorin zu arbeiten. Hier in den USA baue ich grade ein Kleinunternehmen auf.

Warum in die USA?
Dass wir jetzt in den USA leben hat hauptsächlich mit mir zu tun. Ich bin auch so ein alter Weltenbummler. Nachdem ich meine Ausbildung abgeschlossen hatte habe ich für ein Jahr in Argentinien gelebt. Später nach dem Bachelorstudium hat es mich für sieben Monate in die USA (Chicago und das Crow Creek Sioux Indianerreservat in South Dakota) gezogen. Der Wunsch in anderen Kulturen zu leben war wohl immer Teil meines Wesens. Und nachdem ich in den USA gelebt hatte, war der Wunsch wieder zurück zu kehren und dort richtig zu leben unglaublich stark. Warum genau, kann ich nicht mal sagen. Ich glaube es lag daran, dass ich so wunderbare Freundschaften geschlossen hatte und deshalb gerne wieder zurück wollte. Im Februar 2014 gestand ich mir endlich ein, dass der Wunsch so stark war, dass ich ihn nicht mehr verdrängen konnte. Ich erzählte Daniel davon und er war offen dafür und dann haben wir angefangen Stellen in den USA zu suchen und auch zu beten. Wir sind beide gläubige Christen und für so eine große Lebensänderung wollten wir auf jeden Fall Gott mit einbeziehen. Unser Gebet war, dass er uns eine Tür zeigen soll, wo wir durchgehen können. Und nach nur zwei Monaten zeigte sich im April 2014 diese Tür, indem Daniel ein Jobangebot von seiner Firma bekam eine neue Stelle in London, Singapur oder New York anzufangen. Das hat uns echt von den Socken gehaut! Wir hätten nicht mit so einer Art von Gebetserhörung gerechnet und auch nicht, dass sich nach so kurzer Zeit etwas tut.

London und Singapur interessierten uns nicht, aber natürlich New York City. Auch wenn es nicht Chicago war, was mich anfangs traurig gemacht hat. Und dann standen wir vor der Entscheidung, ob wir “Ja” sagen sollten zum Abenteuer im Big Apple. Und wir taten es! Das war alles so verrückt und total unwirklich, aber wir mussten einfach “Ja” sagen, weil so eine Chance wollten wir uns nicht entgehen lassen. “Einen Versuch ist es wert”, haben wir uns gesagt und wenn es nicht hinhaut und wir unglücklich in den USA sind, dann würden wir nach Deutschland zurückkehren.

wallstreet.jpg

Bis der Arbeitsvertrag endlich unterschrieben war und langsam der Visaprozess in Gang kam dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, aber im Rückblick stimmt das gar nicht. Denn im April ging die New-York-Tür auf und im September landeten wir schon im John-F-Kennedy-Flughafen in New York und begannen unser neues Leben in dieser Millionenmetropole. Das Ganze hat nicht mal ein halbes Jahr gedauert. Diese Vorbereitungszeit war sehr stressig. Schon ein normaler Umzug ist ein Haufen Arbeit, aber ein Überseeumzug ist noch mal ein paar Latten höher!

Gott sei Dank hatten wir Unterstützung von Daniels Arbeitgeber. Da Daniel nicht der erste Angestellte ist, der ins Ausland wechselt, gibt es ein striktes Protokoll für solche Fälle und wir konnten uns an die zuständigen Firmen wenden für Fragen über den Arbeitsvertrag, Visum, den Umzug an sich, die Flüge nach NYC und eine Wohnung vor Ort für die ersten vier Wochen. Wir persönlich haben es so gehändelt, dass Daniel sich in erster Linie um den ganzen Papierkram gekümmert hatund ich habe unseren gesamten Hausstand ausgemistet und mich um den Umzug gekümmert. Nebenher lief unser normales Leben mit arbeiten gehen, von Familie und Freunden verabschieden und nach und nach realisieren was wir da eigentlich tun.

Ihr merkt schon, dass das bei uns alles Schlag auf Schlag ging. Das ist sicherlich nicht der Normalfall und auch nicht zu empfehlen. Aber jeder Mensch und jedes Paar ist anderes und geht auch anders mit solchen Stresszeiten um. In dieser Vorbereitungszeit habe ich mir oft gesagt, dass wenn es jemand hinkriegen kann, dann sind wir das, weil wir echt gute Ressourcen mitbringen. Wir sprechen beide fließend Englisch und haben schon viel Auslandserfahrung gesammelt. Wir sind adaptionsfähig und tun uns leicht beim Kontakteknüpfen, wir sind als Paar ein gutes Team und haben eine hohe Frustrationstoleranz. Das sind alles gute Voraussetzungen, aber wenn man dann erst mal in dem anderen Land lebt, ist alles anderes und man kommt täglich an die eigenen Grenzen.

Ja, wir waren zwar schon für längere Zeit im Ausland vorher, aber das war immer in einem sozialen Umfeld, das aus Freunden oder Familie bestand und somit hatten wir automatisch Anschluss und Unterstützung. Aber in New York City waren wir ALLEIN! Sowas von alleine! Daniel hatte immerhin seine neue Stelle, aber ich war den ganzen Tag alleine und das war echt schwer anfangs. Für mich wurde es erst besser, als ich eine Kirchengemeinde gefunden hatte, in der ich mich wohl fühlte und wo es regelmäßige Termine gab. Seitdem habe ich gute Kontakte und lebe mich immer mehr ein. Es hat auch ein paar Monate gedauert bis meine Arbeitsgenehmigung da war und als das der Fall war, konnte ich auch anfangen mit meinem Kleinunternehmen.

Die Highlights
Das wohl größte Highlight ist, dass wir jetzt in New York City leben! Das ist doch wohl mal der Oberknaller und ich kann es immer noch nicht richtig fassen. Aber dann wenn Freunde aus Deutschland zu Besuch kommen und ich für sie eine Sightseeing-Tour mache, dann realisiere ich das doch und bin immer noch ganz geplättet, dass wir jetzt hier leben!

Auf dem Top of the Rock mit Blick aufs Empire State Building.

Auf dem Top of the Rock mit Blick aufs Empire State Building.

Im Disney Store am Times Square mit der Freiheitsstatuen-Mini-Maus.

Im Disney Store am Times Square mit der Freiheitsstatuen-Mini-Maus.


Daniel findet es total super, dass überall um uns herum Supermärkte und Restaurants sind und so viel Leben. In Deutschland haben wir ziemlich dörflich gewohnt und jetzt ist es das genaue Gegenteil und wir können jederzeit einkaufen oder mal etwas auswärts essen gehen.
Auch die Unterschiedlichkeit der Menschen ist aufregend. Es ist so bunt und so viele Sprachen werden gesprochen. Außerdem bietet diese Stadt unendlich vielseitige kulturelle Angebote - Museen, Broadway Shows, Parks, Hochhäuser etc. Da kann man sich nicht sattsehen.
Wir erleben die Amerikaner in unserem näheren Umfeld als unglaublich freundlich und hilfsbereit. Unser Vermieter ist so ein Goldstück. Nachdem wir eingezogen waren brauchten wir noch Möbel und so war er zweimal mit uns bei Ikea und hin und wieder nimmt er uns mit zu größeren Einkaufsläden, weil wir kein Auto haben. Auch die Leute in meiner Kirchengemeinde sind in Gold nicht aufzuwiegen und wir fühlen uns durch ihre liebenswerte Art so gesegnet.
Obwohl es nicht Chicago geworden ist, sind wir jetzt so viel näher an meinen amerikanischen Freunden dran als vorher und hatten seit wir hier sind die Möglichkeit sowohl meine Freunde in Chicago, als auch die in South Dakota zu besuchen.

In Chicago im Millenium Park vor “the Bean”.

In Chicago im Millenium Park vor “the Bean”.

Mount Rushmore in den Black Hills von South Dakota.

Mount Rushmore in den Black Hills von South Dakota.

Die Herausforderungen
Die krassesten Unterschiede zwischen Deutschland und New York City sind die Lebenshaltungskosten. Ich rede ganz bewusst von New York City und nicht von den USA im Allgemeinen, weil NYC wirklich ein anderes Pflaster als andere US-Städte sind. Diese Stadt ist so teuer, dass wir anfangs ständig von einer Ohnmacht in die nächste gefallen sind. Für eine winzig kleine Zwei-Zimmerwohnung in einem ärmeren Stadtteils Brooklyn zahlt man schon um die 2.000 Dollar oder mehr. Für einen Standardhandyvertrag zahlt man pro Person monatlich 50 (+ Steuern), eine Packung Müsli kostet 6 Dollar, Internet 67 Dollar.
Ein anderer Punkt ist die Krankenversicherung. Je nachdem welchen KV-Plan man sich monatlich leisten kann, muss man für jeden Arztbesuch selber bezahlen. Im Winter war ich krank und der erste Arztbesuch plus der Kontrolltermin danach hat schon fast 300 Dollar gekostet. Und das war noch nicht mal etwas ernstes.
Auch die Straßenverhältnisse und die Qualität der Häuser reichen hier nicht an die deutsche Qualität heran. Ja natürlich gibt es in reicheren Gegenden tolle Häuser, aber das sind unerschwingliche Preise für den normalen Arbeitnehmer.

Es ist wohl menschlich normal, dass die negativen Sachen einem mehr ins Auge stechen, als die positiven, aber langsam beruhigen wir uns. Ab und zu wenn wir sehen was Lebensmittel hier kosten, dann lass ich eine Schimpftirade los, aber schließe sie mit einem “das ist einfach so hier” ab und kühle mich ab. Genauso mit der Krankenversicherung und allem anderen. Oft denke ich, dass vielen Deutschen nicht bewusst ist, wie gut sie es in Deutschland haben und wie sicher und behütet sie dort leben können. Allerdings wird das einem selbst erst bewusst, wenn man im Ausland lebt und die deutschen Gegebenheiten nicht mehr hat. Manchmal vermisse ich Deutschland. Vor allem die Qualität und auch den deutschen Humor. Aber dann erinnere ich mich daran, dass ich selbst sehr wohl auf Qualität in meinen Beziehungen und meinem Kleinunternehmen achten kann und dann schaue ich einfach ein bisschen deutsche Comedy an und lache über Witze, die nur Deutsche witzig finden. ;-)

Wollt ihr auf Dauer in New York bleiben?
Daniel und ich haben uns gesagt, dass wir auf jeden Fall zwei Jahre hier leben wollen und dann Bilanz ziehen, ob es das Land für uns ist oder ob wir lieber wieder zurück nach Deutschland wollen. Ich merke immer mehr, dass dieses erste Jahr, das Jahr des Abkommens und Lernens ist und freue mich auf unser zweites Jahr, wo wir hoffentlich die Früchte der harten Arbeit etwas genießen können. Im zweiten Jahr haben wir ein besseres soziales Netzwerk, haben uns an die Preise hier gewöhnt, haben unsere Alltagsroutinen und kennen dieses Stadt schon besser und können sie vielleicht auch als unser Zuhause bezeichnen. Jetzt nach acht Monaten (Stand Juni 2015) sage ich “wir wohnen in NYC”, aber ich würde es noch nicht als unser “Zuhause” bezeichnen. Ich hoffe das kommt noch, aber ich glaube schon. Das hat ja vor allem etwas mit den Menschen vor Ort zu tun und ob man Teil einer Gemeinschaft ist, in der man seinen Platz findet und sich angenommen und geliebt fühlt.

Aber wenn wir nach den zwei Jahren glücklich hier sind und Wurzeln geschlagen haben, dann könnte ich mir gut vorstellen, dass wir länger hier bleiben werden. Natürlich müssen wir aber immer im Kopf haben, dass das nur geht, wenn auch unsere Visa und Arbeitsverträge verlängert werden.

Tipps und Tricks
Mein Tipp für andere Auswanderungswillige ist, ihrem Herzen zu folgen. Wenn innere Wünsche da sind, diese wahrzunehmen und zuzulassen. Und dann anfangen zu überlegen, wie man sie realisieren könnte und viel Geduld in diesem Prozess mitzubringen. Dass bei uns die Tür so schnell aufging war wirklich ein Wunder Gottes und das ist sicherlich nicht normal. Gebt eure Träume nicht auf. Die anderen Tipps sind: Lernt das Land so gut wie möglich vorher kennen - in der Theorie, aber auch in der Praxis - auch wenn’s erst mal nur ein zweiwöchiger Urlaub ist, das ist besser, als wenn ihr nie da ward!
Lernt die Sprache, die Gebräuche, die Kultur kennen und am Besten auch schon echte Menschen, die ursprünglich aus dem Land kommen. Vielleicht habt ihr die sogar in eurer Heimatstadt und sie können euch dann noch bessere Tipps geben, weil sie ja die Kultur des Landes kennen und auch schon die deutsche Kultur und Denkweise.
Wenn ihr überlegt in die USA auszuwandern, aber euch noch die Übung mit der englischen Sprache fehlt, dann fangt an Serie und Filme in Englisch zu schauen - erst mit Untertiteln und wenn ihr fortgeschritten seid ohne Untertitel. Wenn ihr testen wollt, ob ihr es sprachentechnisch drauf habt, dann schaut “Gilmore Girls” in Englisch ohne Untertitel und wenn ihr den Großteil versteht und über die Witze lachen könnt, dann seid ihr gewappnet! Das hört sich witzig an, aber das meine ich ganz ernst. Habe ich nämlich so gemacht. ;-)
Und wenn ihr an Gott glaubt, dann betet was das Zeug hält! Redet mit Gott über eure Träume und schaut wie ihr sie zusammen mit ihm realisieren könnt. Das klingt vielleicht komisch, aber das ist, wie ich persönlich versuche jeden Tag zu leben und das macht mein Leben zufriedener und wertvoller.

Rückblickend würde ich gar nichts anderes machen. Wir haben unser Bestes gegeben und nehmen die jetzige Situation so wie sie ist an und gehen mit Gottvertrauen in die Zukunft.

Am Rockefeller Center um den großen Weihnachtsbaum anzuschauen.

Am Rockefeller Center um den großen Weihnachtsbaum anzuschauen.

Ich wünsche euch allen noch einen schönen und gesegneten Tag!
Ganz liebe Grüße aus New York City,
eure Kati

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