Arztbesuch ohne Krankenversicherung

Liebe Blog-Leser!

Es ist schon zwei Wochen her, aber das Thema "Krankenversicherung" ist wohl eines der wichtigsten überhaupt und deshalb schreibe ich darüber.

Vor etwas über zwei Wochen ist Daniel richtig krank geworden und hatte starke Schmerzen in der Brust (nicht im Herzen, sondern in der Lunge). Jetzt im Nachhinein wissen wir, dass er eine starke Bronchitis hatte. Da standen wir da wie zwei Kleinkinder und wussten gar nicht, wie wir jetzt vorzugehen haben. Bei Daniel auf der Arbeit gab es zwar einen Arzt, aber es ging ihm zu schlecht, dass er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln 1 1/2 Stunden hin und dann wieder zurückfährt. Also fand er durch viel Rumtelefonieren heraus zu welchem Arzt er gehen konnte (es musste nämlich ein Arzt bzw. eine Notfallklinik sein, die auch von den möglichen Krankenversicherungen der Deutschen Bank hier in den USA erlaubt ist - hier darf man nicht einfach zu allen Ärzten gehen).

Jetzt denkt ihr bestimmt: "Mensch, jetzt seit ihr doch seit dem 19. September in New York, wie kann es sein, dass ihr da noch keine KV habt?!" Na, das Gleiche denke ich schon seitdem wir wissen, dass es in die USA geht. Damals haben immer alle Zuständigen gesagt "das klärt sich, wenn ihr in NY seid" und als wir dann hier waren, meinten sie "nee, da braucht ihr erst die Sozialverischerungsnummer, dass das gemacht werden kann". Als wir die Nummern hatten ging es aber auch noch nicht, weil das ganze System wohl noch "verdauen" musste, dass wir jetzt auch da reingekommen sind (oder keine Ahnung was genau). Das Verrückte ist, dass wir erst letztes Wochenende das grüne Licht bekamen eine KV auszuwählen! Also sechs Wochen nachdem wir hier im Land angekommen sind. Krass, oder?!

Aber wieder zwei Wochen zurück:

Nach dem Hin- und Hertelefonieren und bei Googlemaps suchen (Gott sei Dank für Google Maps! Das hilft uns so oft!) fanden wir eine Notfallklinik bei uns in der Nähe. Wir mussten nur 10 Minuten laufen. Im Wartezimmer waren auch nur wenige Leute vor uns und wir mussten nur ca. 15 Minuten warten.

Die Krankenschwester (die übrigens ganz normale Freizeitklamotten anhatte und überhaupt nicht aussah wie eine Krankenschwester) stellte zig Fragen, maß Daniels Puls und Blutdruck und dann warteten wir auf den Doktor. Es kam ein älterer Herr (vielleicht Ende 50), der ein bisschen aussah wie der Weihnachtsmann und der uns neben einer wahrscheinlichen Diagnose auch noch Restauranttipps gab (wo man am Besten in NY Portugiesisch und Deutsch essen gehen kann). Es war wirklich ein total netter Mann, der sehr viel Wärme ausstrahlte. Der Untersuchungsraum war ganz klein und da es hier ja so gut wie nur Pappmascheewände gibt, hörten wir gleich noch die Untersuchung in Nebenraum mit an. Im Nachhinein war die Diagnose des Doktors falsch - er sagte "Pneumonitis" und die Ärztin auf Daniels Arbeit sagte ein paar Tage später "Bronchitis" (bei solchen unterschiedlichen Diagnosen fühlt man sich natürlich besondern sicher!).

Weil Daniel nur ganz flach atmen konnte, musste er ein Medikament über ein Bronchialinhalationsgerät inhalieren. Das hat ihn nach ein paar Minuten so schwach und schwindelig gemacht, dass er sich sogar auf die Liege legen musste. Ich war froh, dass ich mitgegangen bin und er nicht alleine war. Zwischendrin haben wir mit Daniels Schwester und Mutter telefoniert (die sind beide Ärztinnen), um zu erzählen was los ist und ob Daniel auch richtig behandelt wird. Das war alles etwas viel. Ärztesprache ist ja schon auf Deutsch oft unverständlich, aber in Englisch noch viel mehr. Und unser Englisch-Ass Daniel lag fix und fertig auf der Liege.

 Mein amer Schatz. Da fing's dann an, dass ihm schwindelig wurde.

Im Endeffekt haben wir für den Arztbesuch bzw. die (falsche) Diagnose 100 Dollar bezahlt. Dann kamen noch 65 Dollar für das Bronchialinhalieren. Dann ging's weiter zur Apotheke und dort mussten wir nochmal 85 Dollar auf den Ladentisch legen, um Antibiotika und Bronchialspray zu kriegen. Einfach mal so waren dann 250 Dollar weg! In solchen Momenten wünsche ich mich immer nach Deutschland zurück, wo alles einfacher scheint... naja, weil ich halt weiß, wie es da funktioniert.

Normalerweise hätte der Arzt Daniel noch geröntget, aber das hätte dann 500 Dollar gekostet! Da Daniel sonst gesund ist haben wir uns das gespart (das war auch der Vorschlag des Arztes - er war auch wirklich so nett... auch wenn er eine falsche Diagnose gestellt hat). 

Wir müssen jetzt mal abwarten, ob wir von den 250 Dollar etwas zurückerstattet bekommen. Obwohl unsere amerikanische Krankenversicherung erst seit ein paar Tagen aktiv ist, wirkt sie aber bis zum 1.10 zurück, weil da Daniels neue Stelle losging.

Wie das in Zukunft mit der KV funktioniert habe ich auch noch nicht wirklich durchblickt. Die Theorie schon, aber nicht wie das dann praktisch aussieht. Entweder man zahlt jeden Monat mehr Beitrag und zahlt dann für den Arztbesuch und/oder die Medikamente weniger oder umgekehrt. Das muss jeder selbst abschätzen, wo er mehr Geld reinstecken will. Das Ganze gilt dann für ein Jahr und wem es nicht gefallen hat, der kann es beim nächsten Mal anders machen. Wir haben uns für die "jeden Monat weniger Beitrag (aber auch nicht das Minimum)" entschieden, weil wir ja nicht so oft richtig schlimme Sachen haben, wenn wir genug Schlaf kriegen.

Wie viel uns das alles kosten wird, frage ich mich natürlich schon. Bei den amerikanischen Krankenversicherungen ist auf jeden Fall kein Zahnarzt dabei. Da muss man eine Extraversicherung machen und für den Augenarzt auch. Man muss also bei allem abwägen was man brauchen könnte und was man sich sparen kann. Ich kam da wirklich an meine Hirnschmalzgrenzen. Als sicherheitsliebender Mensch würde ich natürlich immer und überall gerne auf Nummer sicher gehen, aber man muss ja noch Miete, Essen etc. zahlen können. In Deutschland fand ich das einfacher, als hier. Gut, aber wenn man aus einem Sozialstaat wie Deutschland kommt, dann sind die USA natürlich erst mal ein Abstieg in Sachen des Gesundheitssystems. Das wusste ich auch vorher, aber wie es sich dann im echten Leben anfühlt ist noch mal eine andere Sache.

Diese Woche war Daniel noch mal bei der Ärztin bei sich auf der Arbeit und er ist jetzt offziell auch gesund. Obwohl es ihm am 27.10 (unserem zweiten Hochzeitstag) nicht so gut ging, hatte er aber trotzdem genug Kraft, dass wir nett essen gehen konnten. Hier noch ein paar Bilder für euch.

Wir waren beim Thailänder und mussten nur 10 Minuten laufen (im Vergleich zu Elstal ist das eine riesen Verbesserung ;-).

Es war nicht das aller beste thailändische Essen, aber es war echt schön mal raus zu kommen und als Paar auszugehen.

Ganz viele liebe Grüße,

eure Kati

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