Wohung gesucht - Wohnung gefunden

Liebe Blog-Leser!

Gleich nachdem wir am Dienstag, den 23. Semtember die Sozialversicherungsnummer beantragt und das Bankkonto eröffnet hatten, wurde auch der Startschuss für die Wohnungssuche gesetzt.

Leider war der Weg der Wohnungssuche mit allerlei Schwierigkeiten gespickt. Die Frau von New York City Navigator (die uns auch mit der Sozialversicherung geholfen hatte), hat uns per Email eine Liste mit Maklern geschickt. Es waren bestimmt acht unterschiedliche Makler, aber die waren alle auf Manhattan spezialisiert. Anscheinend wollen die meisten Deutsche Bank Mitarbeiter richtig in Manhattan wohnen und verzichten deshalb auf Platz. Wir wollten aber nicht in einem Ein-Raum-Apartment wohnen, sondern auch Platz für unsere Sachen haben (die sind zwar noch im Schiff unterwegs, aber irgendwann kommen sie ja an und wollen auch wo hingestellt werden).

Währed all der Monate vorher hatte ich immer Brooklyn im Kopf und konnte mir gut vorstellen nördlich oder westlich vom Prospect Park zu wohnen. In der Nachbarschaft Park Slope zum Beispiel. Ich wusste, dass die Gegen sicher und gut ist - vielleicht vergleichbar mit Prenzlauer Berg in Berlin.

Irgendwie habe ich mir das alles etwas glamouröser vorgestellt. Ich dachte wir sagen der Maklerin was unser Budget ist, wo die Wohnung ungefähr sein soll und wie viele Zimmer sie haben soll. Dann schickt sie uns eine mittlere Auswahl, wir wählen davon noch mal aus und schauen uns dann die Wohnungen an. Dann kommt die Enscheidung und fertig. Ja, natürlich wäre ich am liebsten noch mit dem Auto abgeholt worden (mindestens mit einer Limousine - sektschlürfend und cashewkernekauend...) und alles auf dem Silbertablet serviert bekommen. Ach ja... was soll ich sagen. Ich glaube ich war einfach ziemlich k.o. und fertig mit allem und meine Kraft war aufgebraucht und ich hätte noch mal sowas wie die Business-Class der Wohnungssuche gebraucht. Tja, leider gab's die nicht. :-( (jaja, ich klage auf hohem Niveau, das weiß ich, aber so ging es mir einfach in dem Moment).

Die Maklerin schickte uns die Listen der Nachbarschaften, die für unser Budget in Frage kamen (East Harlem, Queens und Teile von Brooklyn) und dann mussten wir selbst Termine mit den dazugehörigen Maklern ausmachen und uns treffen. Wir haben uns bestimmt über 40 Wohnungen im Internet angeschaut und Prioritätenlisten erstellt. Schlussendlich hatten wir ca. 15 Wohnungen, die in die engere Auswahl kamen. Schlussendlich konnten wir aber nur sechs der Wohnungen anschauen, weil die anderen schon weg waren.

Was haben wir gelernt?

Wenn man ein Budget von 2.000 bis max. 2.500 Dollar für die monatliche Miete zur Verfügung hat, in einer sicheren Gegend wohnen will, eine Fahrtzeit von max. 40 Minuten haben will und dann noch zwei bis drei Zimmer, dann kann man das vergessen! Eine dieser Sachen wird man mindestens über Bord werfen müssen!

Ist das nicht total krass?! Die Mieten sind hier unglaublich teuer! Das wussten wir schon vorher, dass es teuer wird, aber manche Sachen checkt man erst richtig, wenn man in einer Wohnung drin steht und sie sich ansieht. Ich bin Deutsche und stehe auf Qualität. Ich finde es super, wenn eine Wohnung Fenster hat, wo es nicht wie Hechtsuppe hereinzieht. Ich finde es auch unglaublich wichtig, dass ich mich in der Wohnung wohlfühle und nicht jeden Morgen in ein Ekelbad oder eine widerliche Küche kommen muss. Ich bin zwar gut im Putzen, aber wir haben kein Budget um eine Mietswohnung von Grund auf zu sanieren (doch Lotto spielen?).

Der zweite Hammer waren die Wohnungsgrößen bzw. die Zimmergrößen. In New York City ist wohl die normale Größe eines Zimmers um die 10 Quadratmeter (oder sogar kleiner). Da können wir froh sein, wenn wir unser 1,80iger Bett reinkriegen (ohne Nachtkästchen versteht sich). Und selbst das hätten wir noch mitgemacht, wenn da nicht der fehlende Stauraum wäre. In Deutschland gehört es zum Normalfall ein Kellerabteil oder etwas in der Art dazu zu bekommen, aber in New York nicht. Deshalb bekommt das Wort "Wandschränke" hier eine ganz andere Gewichtung. Plötzlich kann man mich vor dem Internet kreischen hören, weil eine Wohnung dabei stehen hat "lots of closet space" (ganz viel Wandschrrankplatz). Und Leute, Fotos können sowas von täuschen! Diese gerissenen Makler, die die Wohnungen da anpreisen. Die haben fiese Weitwinkel-Super-Handys und solche Filter, die jede Küche und jedes Bad sauber aussehen lassen, aber wenn man dann in Wirklichkeit drin steht, dann springen dich doch die rostigen Rohre an, die notdürftig mit Farbe überpinselt wurden (mein deutsches Perfektionistenherz ist mehrmals gebrochen).

Und zuletzt kommt es auch auf die Gegend an, wo diese Wohnung steht. Die eine Wohnung war von innen echt ganz nett. Es hätte sogar unser Bett rein gepasst und es gab sogar den Luxus von Waschmaschinen- und Trockneranschlüssen (das ist nicht selbstverständlich - viele Mieter verbieten sogar eine eigene Waschmaschine und dann muss man immer zum Waschsalon gehen ... oh Gott, es muss doch im Alter von 32 endlich die Zeit der Waschmarken vorbei sein dürfen!). Doch draußen vor dem Haus pinkeln nicht nur Hunde an Bäume, sondern auch irgendwelche Männer - und das am hellichten Tag! Ja, ich kenne das auch von Berlin, aber dann in dunklen U-Bahn-Ecken. Gut, vielleicht hätten wir uns auch da dran gewöhnt und einfach gesagt "hm... das ist halt New York". Die Makler selbst darf man nicht fragen, wie gefährlich die Gegend ist. Sie dürfen sich rechtlich auch nicht über die Wohnungsgröße in Squarefeet äußern. Denn wir könnten sie sonst verklagen... Aber von einer anderen Wohnungbesichtigerin erfuhren wir etwas über die Gegend. Sie sagte, wenn sie um 23 Uhr heim kommen würde, dann würde sie sich mit dem Taxi bis vor die Tür fahren lassen. Ich finde schon, dass das etwas aussagt.

Die Wahrheit ist, dass ich keine komischen Penner will, die neben den Baum vor meinem Haus pinkeln und vor sich hinreden, weil sie in ihrer eigenen Drogenwelt gefangen sind. Ich will nicht, dass Daniel, wenn er im schicken Anzug zur Arbeit geht blöd angemacht wird und ich Angst haben muss, dass so ein Irrer ihn irgendwann mal angreift.

Mehr Mietkosten als 2.500 Dollar waren einfach nicht drin - das war schon das Obermaximum. Für dieses Geld hätten wir auch in eine bessere Gegend ziehen können, aber nur für minimalen Platz. So musste leider die Fahrtzeit dran glauben. Die Wohnung, in die wir ziehen werden ist echt ziemlich weit vom Financial District weg. Aber die Gegend ist sicher, wir haben Stauraum und drei Zimmer und alles ist sauber und ordentlich gemacht. Die Wohnung hat sogar schon eine Waschmaschine und einen Trockner, so dass wir das nicht selbst kaufen müssen.

Wenn ihr jeweils sehen wollt, wo die Wohnungen waren, dann klickt auf den Straßennamen und Google Maps geht auf. Unsere neue Adresse werde ich nicht in der Öffntlichkeit des Internets verkünden. Die Reihenfolge ist so, wie wir die Wohnungen angeschaut haben.

Nummer 1: Columbia Street

Die Wohnung würde direkt über diesem Ladengeschäft liegen, das wohl mal eine Bar oder ein Biergarten werden soll (hurra, her mit den betrunkenen Leute, die unter uns wohnen!).

Die Aussicht aus dem Apartment war ein Teil des Hafens...

UND sogar die Skyline vom Financial District. Das war schon toll, aber nicht nur die Aussicht muss schön sein, sondern auch die Wohnung selbst. Diese Wohnung war vielleicht ein Loch! Der Makler war super nett, aber das hat die zugigen Fenster, den kaputten Boden, die widerlichen Decken, die Minizimmer, das schrecklichste Bad aller Zeiten auch nicht besser gemacht. Hätten wir die Wohnung richtig gekauft und ein Budget zum Renovieren gehabt, dann wäre sie super gewesen (ganz viel Potential). Die Gegend war ok (nicht schön, aber sicher genug) und der Fahrtweg an die Wall Street wäre nur 20 Minuten lang gewesen. Mensch... alles sehr kniffelig, aber das Gesamtpaket muss halt passen.

Nummer 2: Clifton Place

Das war die Wohnung, wo der Makler so ein Oberchekerhandy hatte und wo die Wohnung mega groß aussah, aber dann doch total mini war (das Handy hat er uns dann sogar noch ganz stolz gezeigt.... tz tz tz... kein Wunder, dass die keine Squarefeetangaben machen!). Die Wohnung roch wie ein riesiger Aschenbecher und das Bad hätte man erst mal Grundrenovieren müssen (ahhh, gebt mir Geld, dann würde ich das alles ganz schön machen können).

Nummer 3: Putnam Avenue

Diese Wohnung war der Oberhammer! Total schön renoviert und ganz niedlich (mit so roten Mauerwänden innen drin - an manchen Stellen). Aber leider keinerlei Stauraum und kein Waschmaschinenenanschluss. Wäre ich noch mal Studentin, wäre sie perfekt, aber wir wollen uns ja nach und nach vergrößern und nicht noch mehr verkleinern. Auch die Leute in der Gegend wirkten eher normal und nicht so lebensgezeichnet und es gab sogar eine "Gospel Hall" nebenan... vielleicht ein neuer Chor für uns? 

Nummer 4: Grand Avenue

Eigentlich ein hammer tolles Brooklyn-Brownstown-Haus (die sind sehr typisch für Brooklyn), aber die Nachbarschaft ist schon etwas krasser drauf - zumindest für mich zartbesaiteten Menschen. Man beachte, dass die Mülltonen festgekettet werden müssen, dass sie nicht geklaut werden. Die Wohnung war innen echt schön - wenn auch winzig. Und hier liefen so viele verrückte Typen durch die Gegend und der eine markierte sein Revier.

Nummer 5: Vernon Avenue

Das Haus sah von nahem aus, als würde ein leichter Windstoß genügen, um es umzupusten. Die Wohnung wäre im Keller gewesen. Seht ihr die vergitterten Fenster bei dem gelben Unterteil? Das wäre das Wohnzimmer gewesen *bezaubernd*. Unser Eingang wäre unter der roten Treppe gewesen. Nur zur Info: Wenn in New York Gitter an einem Fenster sind, dann hat es einen Grund, dass sie da sind! Selbst ich hätte locker in diese Wohnung einbrechen können... ich fand nicht, dass die Vorder- und Rücktür besonders stabil aussahen... (na, wer von euch hätte uns zuerst besucht? ;-)

Nummer 6: Bayside Queens

Ta ta ta taaaaaa - darf ich vorstellen: Unsere neue Wohnung. :-)

Das ist die Wohung, die wir als aller letztes gesehen haben. An dem Abend bevor Daniel zu arbeiten anfing. Also echt ein Last Minute Ding. Das Haus ist 20 Jahre alt, aber total gut in Schuss, weil der Vermieter sich um alles kümmert (er hat da auch ganz viel Arbeit selbst reingesteckt).

Wir werden im Erdgeschoss wohnen. Das linke Gartentürchen ist unseres und unser Wohnungseinang ist ganz links (seht ihr wo's da so ein bisschen rein geht?). Dieser große, majestätische Eingang ist der vom Vermieter, der direkt über uns wohnt.

Bei all diesen Sachen muss man immer im Blick haben, dass der Wohnungsmarkt in NYC rasant ist! Wenn die Wohnung auf den Markt kommt, muss man total schnell sein, denn ein paar Tage später ist sie schon weg. Deshalb mussten wir auch schnell entscheiden.

Ich bin noch hin- und hergerissen, weil Daniel jetzt jeden Tag wieder so lange unterwegs sein muss, wie von Elstal nach Berlin (ca. eine Stunde oder eventuell auch länger für einen Weg). Ich fühle mich, als hätte ich als Ehefrau etwas versagt, aber auf der anderen Seite sind wir auch dankbar, dass wir schön, ruhig und sicher wohnen dürfen. Der Mietvertrag geht jetzt erst mal für ein Jahr (so ist das hier) und dann schauen wir einfach wie es uns damit geht. Einkaufsmöglichkeiten gibt es genug und auch kleine Cafes und Restaurants sind 15 Min zu Fuß leicht erreichbar. Ich glaube wir könnten dort unseren Platz finden.

Wir müssen noch auf unsere Sachen vom Cargo-Flugzeug warten (ein Teil vom Geschirr, Bettdecke, Kissen, Handtücher...). Die sollen diesen Freitag kommen und dann dauert es noch bis Mitte nächster Woche bis sie durch den US-Zoll sind. Der Plan ist, dass wir am Freitag, den 17.10 von der Geschäftswohnung in die neue Wohnung umziehen werden. Bis dahin haben wir noch den Handykauf auf der To-Do-Liste, meine Arbeitsgenehmigung zu beantragen, Strom, Heißwasser und Internet für die neue Wohnung anmelden. Ach ja und wir müssen uns eine Luftmatratze kaufen, auf der wir schlafen können bis im November der Container mit unseren Möbeln kommt und auch einen Tisch und zwei Stühle, dass wir irgendwo sitzen können. Ihr seht es wird nicht langweilig.

Vielen Dank für all eure Kommentare und Emails!

Ich freue mich immer total von euch zu hören! :-) Denkt dran bei euren Kommentaren euren Namen mit hinzuschreiben, dass ich auch weiß wer da schreibt. ;-)

Alles Liebe,

eure Kati

PS: Wer von euch mal sehen will, wo die gefährlicheren Gegenden von Brooklyn sind, der kann hier klicken: klick.

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